Lisas Kiste

Lisa sagte zu mir: “ Baue mir eine Kiste, so wie du denkst.“ Da dachte ich mir, ich baue ihr eine Kiste aus Lärche, mit einer zweiten Kiste darin aus Rosmarin-Wurzelholz, in dieser wiederum eine Dritte.

Die erste Kiste: Die Eins, wie die Einheit. Der unaufdringliche aber selbstverständliche Hintergrund der Vielheit – das Ja.

Die zweite Kiste: Die Zwei, wie Zweiheit, Polarität, Gespaltenheit, Gegenteil, Umweg, Zweifel, Zwiespalt. Aber und vor allem auch Basis der Erkenntnisfähigkeit – das Nein.

Die dritte Kiste: Die Drei, wie eine verbindende Funktion, Dynamik der Ebenenwechsel, die Vereinigung der Gegensätze, Bewegung, Handlung, Erkenntnis. Die zur Einsicht benutzte Unterscheidungsfähigkeit – die geistige Grundlage.

So ist diese Kiste Lisas ganz persönliche Kiste geworden: für Lisa und wie Lisa. Lisas Kiste ist ein Beispiel dafür, wie ich arbeite. Ein Zusammenhang von Symbolen mit einer verbindenden Funktion.

Dir Lisa, wünsche ich viel Freude mit Deiner Kiste, bedanke mich für Deine Geduld und Dein Vertrauen. (Text so geschrieben im LESEZEICHEN bei einer Ausstellung 1997 Berlin)